Väterchen Frost

Es waren einmal vor langer Zeit ein Mann und eine Frau. Beide waren verwitwert und haben sich wieder verheiratet. Aus ihrer früheren Ehe hatten sie beide eine Tochter. Die Tochter der Frau war böse und gemein, während die Tochter des Mannes freundlich und sanft war. Sie musste für die Stiefmutter den ganzen Tag hart arbeiten, das ganze Haus alleine putzen. Doch die Stiefmutter war nie zufrieden sondern hasste sie nur umso mehr.

Eines Tages, mitten im harten, kalten russischen Winter, beschloss die Stiefmutter, das arme Mädchen in den dunklen Wald zu schicken. Einsam und verlassen saß das Mädchen gerade unter einem Baum, als schon nach kurzer Zeit die Zweige über ihr knackten und eine tiefe Stimme sprach: „Frierst Du, liebes Kind?“ Das Mädchen erkannte die Stimme als die von Väterchen Frost und antwortete: „Njet, Väterchen Frost. Mir ist nicht kalt.“ Er fragte sie noch drei Mal und kam näher und näher zu dem Kind. Jedes Mal antwortete das Mädchen gleich. Das Kind dauerte Väterchen Frost, so dass er es in einen weichen, prächtigen Mantel wickelte und es am Morgen mit Geschenken überhäufte.

Der Vater des Mädchens bedauerte inzwischen, dass er sich der Boshaftigkeit seiner Frau nicht erwehrt hatte, und ging am nächsten Tag in den Wald, um seine Tochter zu holen. Als er sie nicht nur lebendig, sondern auch warm bekleidet und mit großen Reichtümern beladen fand, war die Freude übergroß. Als sie nach Hause zurückkehrten und die Stiefmutter die Reichtümer des Mädchens sah, wurde sie vor Neid ganz grau und schickte sofort ihre eigene Tochter in den Wald. Am nächsten Morgen jedoch war die Tochter der habgierigen Frau nicht reichbeladen, sondern kalt gefroren war der Leib des bösen Mädchens. Einsam blieb sie zurück, denn der Vater nahm seine Tochter bei der Hand und ging fort.

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