Kuba – karibische Sozialismusnostalgie

Kuba war in den 1980iger Jahren das Sehnsuchtsziel aller TräumerInnen von einem sozial gerechten Leben. Eine sozialistische Insel unter der karibischen Sonne mit Salsa und Mojito schien der perfekte Lebensort zu sein. Also drückte man sich in die engen Sitze eines der Cubana-Flieger und landete nach zwölf Stunden in Havanna, das Gepäck roch nach dem DDR-Desinfektionsmittel, aber darüber sah man großzügig hinweg.

Begegnung von Ost und West

Am ersten Abend an einer Hotelbar mitten in Havanna trafen wir die ersten, echten Kubaner. Sie fragten uns, aus welchem Teil Deutschlands wir kämen. Na, aus Norddeutschland. Fragende Blicke: Ost oder West? Äh? Wie? West natürlich! Wir waren es nicht gewohnt, an einen Ort zu reisen, an den auch DDR-BürgerInnen reisen durften. So trafen wir Reisegruppen aus Leipzig im Frühstücksraum des Hotels, exotischer für uns damals als Inuit oder Pygmäen.

Menschen, die unter dem Diktator Batista keine Chance gehabt hätten, waren begeistert von Fidel, andere hatten Angst vor der Staatswillkür. Immer wieder bekamen wir Heiratsanträge von Männern, die raus wollten aus unserem Traumland. Wir konnten nicht verstehen, warum Kubaner nicht frei reisen sollten. Ging es ihnen nicht gut? Unterstützt von der Sowjetunion, die Kuba den Zucker zu ordentlichen Preisen abnahm und Medikamente lieferte, hatten alle eine Beschäftigung. Slams wie in anderen karibischen Ländern gab es auf Kuba nicht. Alle Kinder gingen zur Schule, die meist nach den Revolutionshelden benannt waren: Jose Marti zum Beispiel hieß jede zweite Grundschule.

Dollar gegen Peso

US-Dollars waren höchst beliebt. Damit konnten Kubaner in den Touristen-Shops alles kaufen: zum Beispiel Kühlschränke oder Stereoanlagen. Wir fragten uns, welche Touristen sich wohl im Urlaub auf Kuba einen Kühlschrank gönnen und wie sie ihn in den Flieger bekommen würden. Mit Peso konnte man nur in den kubanischen Läden kaufen. Sie stammten noch aus der Batista-Zeit. Riesige Geschäfte, doch sie waren leer. Vor der Eingangstür stand ein Tisch mit ein paar gleichaussehenden Hemden.

Kuba heute hat sein Gesicht verwandelt. Es ist freier geworden, aber auch die sozialen Unterschiede sind wieder gewachsen. Geblieben ist eine Nostalgie, die die Kubaner nicht teilen. Und natürlich die wunderbaren alten Häuser, die liebevoll am Leben erhaltenen Chewis und die Erinnerungsstätten der Revolution, die dennoch hochgehalten werden.

Reiseführer

Martina Miethig: Kuba, Baedeker Smart
Die Autorin ist eine gute Kennerin Kubas. Der Smart Reiseführer ist zwar etwas für Menschen, die sich schnell Übersicht verschaffen wollen, er bietet aber dennoch eine Fülle an Hintergrundinformationen. Und das noch flott und spannende getextet. So ist ein gelungener Reisebegleiter entstanden.

Eva Karnofsky: Kuba fürs Handgepäck, Unionsverlag
Geschichten und Erlebtes aus Kuba von verschiedenen Autoren. Ein vergnügliches und informatives Lesebuch für die Kubareise.

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